Veröffentlicht am 1. August 2026 10 Minuten Lesezeit EnerPHit · Minergie-P Renovation IDC · Projektstrategie Aktualisiert im Juni 2026

Sanieren in Genf: IDC, Standards und Strategie

In Genf löst der IDC (Indice de Dépense de Chaleur — Wärmeverbrauchsindex) inzwischen gesetzliche Pflichten für Eigentümerinnen und Eigentümer aus — und eine Sanierung entscheidet sich zuerst bei den strategischen Weichenstellungen. Dieses Dossier steckt den Rahmen ab: IDC-Schwellenwerte, die Standards EnerPHit und Minergie-P Renovation, Projektvorgehen und Etappierung. Die Umsetzung — Gebäudehülle, Luftdichtheit, Haustechnik — wird im Praxis-Dossier.

In diesem Dossier

Warum auf diesem Niveau sanieren?

Ein grosser Teil des Schweizer Gebäudeparks wurde vor den ersten nennenswerten Wärmeschutzanforderungen der 1980er-Jahre errichtet, ohne wesentliche Dämmung. Die Grössenordnung lässt sich an der Genfer Regelung ablesen: Ab 125 kWh/m²·an (450 MJ/m²·an) Wärmeverbrauchsindex wird ein energetischer AuditSchwellenwert nach Genfer REn (rsGE L 2 30.01, Art. 14): Ab 125 kWh/m²·an (450 MJ/m²·an) sind ein Energieaudit und Verbesserungsmassnahmen vorgeschrieben.République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14Babgerufen am 2026-08-20 vorgeschrieben — ein unsaniertes Gebäude aus dieser Zeit überschreitet diesen Wert häufig. Die Schweiz hat sich das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 gesetztVom BFE bestätigt: Ziel netto null CO₂-Emissionen bis 2050, mit einer Senkung des Gebäudeverbrauchs von rund 90 TWh auf 65 TWh.Office fédéral de l'énergie (OFEN/BFE) — Buildings — Energy efficiencyabgerufen am 2026-08-20: Das bedeutet, den grössten Teil dieses Bestands grundlegend zu sanieren — nicht nur die Heizkessel zu ersetzen.

Eine oberflächliche Sanierung (Fensterersatz, effizienterer Gaskessel) bringt nur eine geringfügige Verbesserung. Nur eine koordinierte Sanierung von Gebäudehülle und Haustechnik ermöglicht es, den Heizwärmeverbrauch um rund das 5-Fache zu senken — von den 125 kWh/m²·an der Genfer AuditschwelleFaktor aus zwei belegten Werten abgeleitet: Genfer Auditschwelle 125 kWh/m²·an (REn Art. 14) und EnerPHit-Ziel ≤ 25 kWh/(m²a) (PHI-Kriterien) — Verhältnis rund 5.Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards2022 · abgerufen am 2026-08-20 auf die von EnerPHit angestrebten ≤ 25 kWh/m²·an — und dauerhaften thermischen Komfort zu erreichen.

Bei der Sanierung im Passivstandard geht es nicht darum, überall Dämmstoff anzubringen. Es handelt sich um einen ganzheitlichen Planungsansatz, der die bestehende Gebäudehülle als kohärentes System behandelt — mit ihren eigenen Einschränkungen und Chancen.
≈ 40 %
des Schweizer Endenergieverbrauchs entfallen auf die GebäudeVom BFE bestätigt: Der Gebäudepark verbraucht rund 90 TWh, also etwa 40 % des Schweizer Endenergiebedarfs; Ziel sind 65 TWh bis 2050.Office fédéral de l'énergie (OFEN/BFE) — Buildings — Energy efficiencyabgerufen am 2026-08-20
≤ 25
kWh/m²·an: EnerPHit-Grenzwert (Netto-Heizwärmebedarf nach Sanierung im Passivstandard)Bestätigt: PHI-Kriterien, EnerPHit-Heizwärmebedarf ≤ 25 kWh/(m²a) im kühl-gemässigten Klima, gegenüber ≤ 15 kWh/(m²a) beim Passivhaus-Neubau.Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards2022 · abgerufen am 2026-08-20
÷ 5
Grössenordnung der Reduktion: von der Genfer Auditschwelle auf EnerPHit-Niveau
≈ 1/3
der CO₂-Emissionen der Schweiz stammen aus dem GebäudebereichBFE-Zahl: Gebäude verursachen rund einen Drittel der Schweizer CO₂-Emissionen und knapp 40 % des Endenergieverbrauchs.Office fédéral de l'énergie (OFEN/BFE) — Buildings — Energy efficiencyabgerufen am 2026-08-20
Verfügbare Förderungen in der Westschweiz Das Gebäudeprogramm (Bund + Kantone) fördert Sanierungen, die ein hohes Leistungsniveau erreichen. In Genf umfasst das Programm 2026 80 Millionen Franken und wird vom DepartementKanton Genf, 2. Februar 2026: getragen vom Departement für Wirtschaft und Beschäftigung, den SIG und dem Gebäudeprogramm; der AMO-Beitrag läuft aus und entfällt 2026.République et canton de Genève — Subventions énergétiques 2026 : 80 millions de francs pour accélérer la rénovation du parc bâti genevois2026-02-02 · abgerufen am 2026-08-20 für Wirtschaft und Beschäftigung, den Services industriels de Genève und dem Gebäudeprogramm des Bundes getragen; für Sanierungen nach HPE (Haute Performance Énergétique) und THPE (Très Haute Performance Énergétique) bestehen spezifische Beiträge, und Minergie®-zertifizierte Arbeiten profitieren von einem Zuschlag. Der Förderbeitrag für die Bauherrenberatung (AMO) wurde 2026 gestrichen. Die Ansätze werden jährlich revidiert und sind vor jeder Eingabe zu prüfen: dasgebaeudeprogramm.ch oder bei den Partnern von SIG-éco21.Offizielle Domains des Gebäudeprogramms: dasgebaeudeprogramm.ch (DE), leprogrammebatiments.ch (FR), ilprogrammaedifici.ch (IT).Confédération suisse et cantons — Le Programme Bâtimentsabgerufen am 2026-08-20

Der IDC: was das Genfer Gesetz den Eigentümerinnen und Eigentümern vorschreibt

In Genf deklarieren die Eigentümerinnen und Eigentümer beheizter Gebäude jährlich den IDC — Indice de Dépense de Chaleur (Wärmeverbrauchsindex) ihres Gebäudes beim OCEN: der tatsächliche Verbrauch für Heizung und Warmwasser, an den Zählern gemessen und auf die Energiebezugsfläche bezogen. Das ist keine theoretische Berechnung — es ist die reale Energierechnung des Gebäudes. Nicht zu verwechseln mit der individuellen Heizkostenabrechnung, die Gebäude ab 5 Wärmebezügern betrifft (REn Art. 14B)Zwei getrennte Regelungen im Genfer REn: Der IDC (Art. 14) betrifft Eigentümer beheizter Gebäude; die individuelle Heizkostenabrechnung (Art. 14B) gilt ab 5 Wärmebezügern.République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14Babgerufen am 2026-08-20: Das ist eine eigenständige Regel ohne Bezug zum Geltungsbereich des IDC.

Dieser Indikator ist nicht mehr nur ein Überwachungsinstrument: Er löst gesetzliche Pflichten für die Eigentümerinnen und Eigentümer aus.

> 125
kWh/m²·an (450 MJ/m²·an): Oberhalb dieses IDC-Schwellenwerts wird ein energetischer Gebäudeaudit vorgeschriebenVom OCEN bestätigt: Über 125 kWh/m²·an (450 MJ/m²·an) sind Energieaudit und Optimierungsmassnahmen vorgeschrieben (REn Art. 14; LEn Art. 15C).République et canton de Genève (OCEN) — Que faire selon le résultat IDC de votre immeubleabgerufen am 2026-08-20
> 180
kWh/m²·an (650 MJ/m²·an): Schwelle der erheblichen Überschreitung, oberhalb derer ab 2027Genfer REn, Art. 14: erhebliche Überschreitung bei 800 MJ/m²·an bis 31.12.2026, 650 MJ/m²·an vom 01.01.2027 bis 31.12.2030, 550 MJ/m²·an ab 01.01.2031.République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14Babgerufen am 2026-08-20 Sanierungsarbeiten angeordnet werden (800 MJ/m²·an bis Ende 2026, 550 MJ/m²·an ab 2031)
36 Monate
für die Ausführung der nach erheblicher Überschreitung angeordneten ArbeitenGenfer REn, Art. 14: Nach erheblicher Überschreitung angeordnete Arbeiten sind binnen 36 Monaten auszuführen; Verbesserungsmassnahmen nach einfacher Überschreitung binnen 12 Monaten.République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14Babgerufen am 2026-08-20; 12 Monate für Verbesserungsmassnahmen nach einfacher Überschreitung
1 kWh = 3,6 MJ
der IDC wird oft in MJ/m²·an ausgedrückt: 125 kWh ≈ 450 MJ, 180 kWh ≈ 650 MJ
Konkret für Eigentümerschaft oder Liegenschaftsverwaltung Ein unsaniertes Gebäude aus den Jahren 1960–1980 überschreitet diese Schwellenwerte häufig. Auf das Schreiben des OCEN zu warten, bedeutet, den Zeitplan über sich ergehen zu lassen; den Audit vorwegzunehmen, bedeutet, die eigene Strategie zu wählen — welche Arbeiten, in welcher Reihenfolge, mit welchen Fördermitteln. Genau das ist der Unterschied zwischen einer stückweise erzwungenen Sanierung und einer geplanten Sanierung, die den Wert des Gebäudes steigert.

EnerPHit und Minergie-P Renovation

Zwei Hauptstandards definieren «Sanierung im Passivstandard» in der Westschweiz: EnerPHit (Passivhaus Institut, Darmstadt) und Minergie-P Renovation. Ihre Anforderungen unterscheiden sich in der Logik, doch ihr gemeinsames Ziel ist ein Leistungsniveau nahe am neuen Passivhaus — unter Berücksichtigung der Einschränkungen des Bestands.

EnerPHit
Heizwärmebedarf
≤ 25 kWh/m²·an (PHPP)
oder Bauteilansatz (U-Werte)

Luftdichtheit
n₅₀ ≤ 1,0 h⁻¹
(gegenüber 0,6 beim neuen Passivhaus)

Besonderheit
Zwei Zertifizierungswege: entweder die globale EnergiebilanzPHI-Kriterien: Der EnerPHit-Nachweis erfolgt entweder über den Bauteilnachweis (Tab. 2) oder über den Energiebedarfsnachweis (Tab. 3) — nur einer von beiden ist zu erfüllen.Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards2022 · abgerufen am 2026-08-20 oder die Einhaltung von Ziel-U-Werten pro Bauteil (flexiblerer Ansatz für stufenweise Sanierungen).
Minergie-P bei Sanierungen
Wärmebedarf
≤ 90 % der Grenzwerte MoPEC 2025 (MuKEn) bei Sanierungen (SIA 380/1:2016)Minergie-Reglement 2026.1, Ziff. 6.1: Sanierung ≤ 90 % der Grenzwerte Qh,li MoPEC 2025 nach SIA 380/1:2016; ≤ 70 % im Neubau.Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.12026 · abgerufen am 2026-08-20
(gegenüber ≤ 70 % beim neuen Minergie-P — Reglement 2026.1)

Luftdichtheit
qE50 ≤ 1,6 m³/(h·m²) bei Sanierungen

Besonderheit
Offizielle Anerkennung durch die Schweizer Kantone. Minergie-P gilt für Neubau und Sanierung gleichermassen: Das Reglement 2026.1 definiert weder ein eigenständiges LabelIm Minergie-Reglement 2026.1 geprüft: Minergie-P deckt Neubau und Sanierung in einem einzigen Verfahren ab; weder eine Modulzertifizierung noch ein eigenes Verfahren für geschützte Bauten sind vorgesehen.Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.12026 · abgerufen am 2026-08-20 «Minergie-P Renovation» noch eine Zertifizierung nach Modulen noch ein eigenes Verfahren für geschützte Bauten — diese Instrumente gehören zu den Produkten Minergie Renovation.

Vorsicht beim Vergleich der Zahlenwerte: Die Energiebezugsfläche (SRE) wird bei Passivhaus (PHPP-Bezugsfläche, PHI Darmstadt) und bei Minergie® (SRE gemäss SIA 416) nicht auf dieselbe Weise berechnet. Die beiden Anforderungen sind zudem nicht gleicher Art — EnerPHit setzt einen absoluten Wert (≤ 25 kWh/m²·an), Minergie-P einen ProzentsatzKein Minergie-Dokument nennt einen absoluten Wert «≤ 30»: Das Reglement 2026.1 drückt die Sanierung in % des MoPEC 2025 aus (≤ 90 %), mit einer Untergrenze von 15 kWh/m²·an.Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.12026 · abgerufen am 2026-08-20 der MoPEC-2025-Grenzwerte —, sodass ein direkter Zahlenvergleich keinen Sinn ergäbe.

EnerPHit-Bauteilansatz: eine willkommene Flexibilität Wenn der globale Grenzwert von 25 kWh/m²·an nicht erreichbar ist (kompaktes Gebäude, Denkmalschutzauflagen, mehrjährige Etappierung), erlaubt EnerPHit eine Zertifizierung nach Bauteilen: Jedes sanierte Hüllenbauteil muss spezifische Ziel-U-Werte einhalten. Dieser Ansatz ermöglicht eine schrittweise Zertifizierung, Bauteil für Bauteil: Die PHI-Kriterien setzen dafür keine maximale Dauer festDie PHI-Kriterien nennen keine Höchstfrist: Der EnerPHit-Retrofit-Plan erlaubt eine Vorzertifizierung und danach den Zertifikatsantrag nach der letzten Etappe.Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards2022 · abgerufen am 2026-08-20 — ein EnerPHit-Retrofit-Plan kann vorzertifiziert und das Zertifikat nach der letzten Etappe beantragt werden.
Kriterium Passivhaus Neubau EnerPHit Renovation Minergie-P Neubau Minergie-P Renovation
Heizwärmebedarf ≤ 15 kWh/m²·an ≤ 25 kWh/m²·an ≤ 70 % MoPEC 2025 ≤ 90 % MoPEC 2025
Luftdichtheit * n₅₀ ≤ 0,6 h⁻¹ n₅₀ ≤ 1,0 h⁻¹ qE50 ≤ 0,8 m³/(h·m²) qE50 ≤ 1,6 m³/(h·m²)
Heizleistung ≤ 10 W/m² ≤ 10 W/m²
Etappenweise Zertifizierung ✓ Bauteile
Berechnungstool PHPP PHPP SIA 380/1 SIA 380/1
Geschützte Bauten ⚠ Einzelfallprüfung

* Passivhaus/EnerPHit messen den n₅₀ (Luftwechsel bezogen auf das Volumen), Minergie® den qE50 (Leckagerate bezogen auf die Hüllfläche, EN ISO 9972:2015 + SIA 180:2014Geltende Ausgabe für die Luftdurchlässigkeitsmessung: ISO 9972:2015, ergänzt durch SIA 180:2014 für die Schweizer Anwendung.Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.12026 · abgerufen am 2026-08-20) — die beiden Grössen sind nicht direkt vergleichbar. Minergie®-Werte gemäss Reglement 2026.1 (fossile Brennstoffe verboten, absolutes Minimum von 15 kWh/m²·an)Minergie-Reglement 2026.1, Ziff. 8.1: fossile Energieträger für die Wärmeerzeugung nicht zugelassen, mit engen Ausnahmen (Spitzendeckung ≤ 10 % über 80 kW; Fernwärme ≤ 50 % fossil).Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.12026 · abgerufen am 2026-08-20.

Die Umsetzung, Bauteil für Bauteil Hüllenstrategie (Fassaden, Dach, Fenster, Wärmebrücken), Luftdichtheitsebene, Lüftung und Heizung: Die technischen Details sind Gegenstand eines eigenen Dossiers — Sanierung im Passivstandard in der Praxis →

Wie ein Sanierungsprojekt im Passivstandard geführt wird

Eine Sanierung im Passivstandard lässt sich nicht nachträglich improvisieren: Die in der Planungsphase getroffenen Entscheidungen bestimmen 80 % des Ergebnisses. Hier die typische Abfolge eines gut geführten Projekts.

Schritt 1 — Diagnose
Energetische und technische Bestandsaufnahme
Ein vollständiger thermischer Audit geht jedem Entscheid voraus: Erhebung der bestehenden U-Werte, Messung der Luftdurchlässigkeit, Infrarot-Aufnahmen in der kalten Jahreszeit und Ortung der Wärmebrücken — diese Messungen führt ein spezialisiertes Büro oder ein Messdienstleister durch. Dazu kommt die Erfassung allfälliger Denkmalschutzauflagen. Diese Diagnose gibt die Richtung vor: Ohne sie lassen sich weder Ziele festlegen noch Kosten beziffern.
Schritt 2 — Vorprojekt
Festlegung der Strategie für Gebäudehülle und Haustechnik
Wahl des Zielstandards (EnerPHit, Minergie-P oder ein Zwischenniveau) und Varianten der Baukonstruktion pro Bauteil. Die Zielerreichung wird mit einer vorläufigen thermischen Berechnung überprüft — PHPP für EnerPHit, SIA 380/1 für Minergie —, die von der Bauleitung oder einem Fachbüro erstellt wird. Kostenbeurteilung pro Variante und Ermittlung der Fördermittel, die vor Baubeginn zu beantragen sind.
Schritt 3 — Ausführungsprojekt
Detaillierte Planung der Anschlussdetails
Zeichnung sämtlicher kritischer Anschlussdetails (Anschluss Fassade/Decke, Anschluss Fenster/Aussendämmung, Wandfuss), wobei das bauphysikalische Fachbüro die verbleibenden Wärmebrücken (Ψ) quantifiziert. Festlegung der Luftdichtheitsebene mit Kontinuitätsdetails an jedem Einzelpunkt. Dimensionierung der Komfortlüftung und der Wärmeerzeugung. Hier entscheidet sich das Wesentliche: Ein nicht gezeichnetes Detail wird auf der Baustelle improvisiert.
Schritt 4 — Baustelle
Qualitätskontrolle und Zwischentests
Baubegleitung mit besonderem Augenmerk auf die Schnittstellen zwischen den Gewerken (Maurerarbeiten/Schreinerei/Abdichtung). Vor dem Schliessen der Bauteile führt ein Messdienstleister einen Zwischentest der Luftdichtheit durch: In diesem Stadium lässt sich ein Leck orten und kostengünstig beheben, während es nach dem Anbringen der Beläge praktisch unzugänglich wird — genau darin liegt die Bedeutung des Zeitplans. Abnahme der Anschlussdetails vor der Verdeckung. Schulung der Handwerker zu den Luftdichtheitsanforderungen (das schwache Glied ist oft die mangelnde Sensibilisierung auf der Baustelle).
Schritt 5 — Abnahme und Zertifizierung
Abschliessender Luftdichtheitstest, As-built-Berechnung, Zertifizierungsdossier
Ein abschliessender Luftdichtheitstest (n₅₀ ≤ 1,0 h⁻¹) wird vom Messdienstleister durchgeführt, und das Fachbüro aktualisiert die PHPP- oder SIA-380/1-Berechnung mit den effektiven Werten. Das Zertifizierungsdossier wird anschliessend von der Zertifizierungsstelle geprüft — Passivhaus Institut für EnerPHit, Minergie Schweiz für Minergie-P — und nicht von der Bauleitung. Verbrauchsmessungen während der ersten Heizsaison erlauben die Überprüfung des Ergebnisses.
Etappierte Sanierung: die Kohärenz von Anfang an planen Viele Sanierungen erfolgen in mehreren Etappen (Fenster in einem Jahr, Fassade drei Jahre später, Dach danach). Das ist oft eine finanzielle Notwendigkeit. Ohne Gesamtplan kann aber jede Etappe die nächste gefährden: Vor der Aussendämmung ersetzte Fenster geraten in eine ungeeignete Position und erzeugen Wärmebrücken. Die goldene Regel: das Gesamtprojekt von Anfang an planen, auch wenn die Ausführung etappiert erfolgt.

Was Eigentümerinnen und Eigentümer fragen

Was kostet eine Sanierung im Passivstandard?

Die Kosten variieren stark je nach Ausgangszustand des Gebäudes, seiner Geometrie, dem Vorhandensein konstruktiver Wärmebrücken und der Materialwahl: Es gibt keine öffentliche Kostendatenbank, die einen verlässlichen Quadratmeterpreis für eine Sanierung auf Passivniveau erlauben würde, und jede seriöse Kostenschätzung setzt eine Offerte am realen Gebäude voraus. Öffentlich und beziffert ist dagegen die Förderung. In Genf fördert die Massnahme M-13 «HPE Sanierung, Variante CECB®» 390 CHF/m²GEnergie-Ansatz, Massnahme M-13 «HPE Sanierung, Variante CECB®»: 390 CHF/m² bei Einfamilienhäusern, 210 CHF/m² bei Mehrfamilienhäusern, 150 CHF/m² übrige Nutzungen. Jährlich revidiert.GEnergie / canton de Genève — HPE — Rénovation variante CECB®, mesure M-13abgerufen am 2026-08-20 beheizte Fläche bei Einfamilienhäusern und 210 CHF/m² bei Mehrfamilienhäusern; der Genfer Kantonskredit 2026 beläuft sich auf 80 Millionen FrankenMitteilung des Kantons Genf vom 2. Februar 2026: 80 Millionen Franken Energieförderung für 2026, 10 Millionen mehr als 2025.République et canton de Genève — Subventions énergétiques 2026 : 80 millions de francs pour accélérer la rénovation du parc bâti genevois2026-02-02 · abgerufen am 2026-08-20. Da die Ansätze jährlich revidiert werden, sind sie vor jeder Eingabe zu prüfen. Der Return on Investment zeigt sich auch in Komfort, Immobilienwert und Sicherheit gegenüber schwankenden Energiepreisen.

Kann man stufenweise sanieren, ohne alles gleichzeitig zu machen?

Ja — das ist sogar der häufigste Fall. Entscheidend ist, das Projekt als Ganzes zu planen, bevor die erste Etappe beginnt, damit jede Massnahme mit den folgenden übereinstimmt. Die Regel: mit dem Dach beginnen (energetisch am rentabelsten), dann die Fassaden, dann die Fenster (unter Berücksichtigung der endgültigen Position in der gedämmten Wand), dann die Haustechnik. Die Fenster nie ersetzen, bevor das System der Fassadendämmung feststeht.

Was ist der Unterschied zwischen einer «Minergie»- und einer «EnerPHit»-Sanierung?

Beide Standards zielen auf ein ähnliches Leistungsniveau ab und erlauben einen Bauteilansatz. Minergie-P ist im Schweizer Kontext stärker verankert, mit einem gut etablierten kantonalen Verfahren und einer besseren Einbindung in Förderdossiers. EnerPHit ist der internationale Standard des Passivhaus Instituts: Er wird auch ausserhalb der Schweiz anerkannt, und seine PHPP-Methodik ist sehr präzise. In der Praxis wählt die Genfer oder Waadtländer Bauherrschaft oft Minergie-P Renovation wegen der einfacheren Administration, während EnerPHit bei technisch anspruchsvollen oder Vorzeigeprojekten bevorzugt wird.

Quellen und Referenzen (21)

Jede Zahl und jede Aussage in diesem Dossier ist belegt. Fahren Sie über eine Fussnote oder tippen Sie sie an, um die Quelle anzuzeigen.

  1. République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14B (abgerufen am 2026-08-20)
    Schwellenwert nach Genfer REn (rsGE L 2 30.01, Art. 14): Ab 125 kWh/m²·an (450 MJ/m²·an) sind ein Energieaudit und Verbesserungsmassnahmen vorgeschrieben.
  2. Office fédéral de l'énergie (OFEN/BFE) — Buildings — Energy efficiency (abgerufen am 2026-08-20)
    Vom BFE bestätigt: Ziel netto null CO₂-Emissionen bis 2050, mit einer Senkung des Gebäudeverbrauchs von rund 90 TWh auf 65 TWh.
  3. Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards (2022 · abgerufen am 2026-08-20)
    Faktor aus zwei belegten Werten abgeleitet: Genfer Auditschwelle 125 kWh/m²·an (REn Art. 14) und EnerPHit-Ziel ≤ 25 kWh/(m²a) (PHI-Kriterien) — Verhältnis rund 5.
  4. Office fédéral de l'énergie (OFEN/BFE) — Buildings — Energy efficiency (abgerufen am 2026-08-20)
    Vom BFE bestätigt: Der Gebäudepark verbraucht rund 90 TWh, also etwa 40 % des Schweizer Endenergiebedarfs; Ziel sind 65 TWh bis 2050.
  5. Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards (2022 · abgerufen am 2026-08-20)
    Bestätigt: PHI-Kriterien, EnerPHit-Heizwärmebedarf ≤ 25 kWh/(m²a) im kühl-gemässigten Klima, gegenüber ≤ 15 kWh/(m²a) beim Passivhaus-Neubau.
  6. Office fédéral de l'énergie (OFEN/BFE) — Buildings — Energy efficiency (abgerufen am 2026-08-20)
    BFE-Zahl: Gebäude verursachen rund einen Drittel der Schweizer CO₂-Emissionen und knapp 40 % des Endenergieverbrauchs.
  7. République et canton de Genève — Subventions énergétiques 2026 : 80 millions de francs pour accélérer la rénovation du parc bâti genevois (2026-02-02 · abgerufen am 2026-08-20)
    Kanton Genf, 2. Februar 2026: getragen vom Departement für Wirtschaft und Beschäftigung, den SIG und dem Gebäudeprogramm; der AMO-Beitrag läuft aus und entfällt 2026.
  8. Confédération suisse et cantons — Le Programme Bâtiments (abgerufen am 2026-08-20)
    Offizielle Domains des Gebäudeprogramms: dasgebaeudeprogramm.ch (DE), leprogrammebatiments.ch (FR), ilprogrammaedifici.ch (IT).
  9. République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14B (abgerufen am 2026-08-20)
    Zwei getrennte Regelungen im Genfer REn: Der IDC (Art. 14) betrifft Eigentümer beheizter Gebäude; die individuelle Heizkostenabrechnung (Art. 14B) gilt ab 5 Wärmebezügern.
  10. République et canton de Genève (OCEN) — Que faire selon le résultat IDC de votre immeuble (abgerufen am 2026-08-20)
    Vom OCEN bestätigt: Über 125 kWh/m²·an (450 MJ/m²·an) sind Energieaudit und Optimierungsmassnahmen vorgeschrieben (REn Art. 14; LEn Art. 15C).
  11. République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14B (abgerufen am 2026-08-20)
    Genfer REn, Art. 14: erhebliche Überschreitung bei 800 MJ/m²·an bis 31.12.2026, 650 MJ/m²·an vom 01.01.2027 bis 31.12.2030, 550 MJ/m²·an ab 01.01.2031.
  12. République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14B (abgerufen am 2026-08-20)
    Genfer REn, Art. 14: Nach erheblicher Überschreitung angeordnete Arbeiten sind binnen 36 Monaten auszuführen; Verbesserungsmassnahmen nach einfacher Überschreitung binnen 12 Monaten.
  13. Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards (2022 · abgerufen am 2026-08-20)
    PHI-Kriterien: Der EnerPHit-Nachweis erfolgt entweder über den Bauteilnachweis (Tab. 2) oder über den Energiebedarfsnachweis (Tab. 3) — nur einer von beiden ist zu erfüllen.
  14. Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.1 (2026 · abgerufen am 2026-08-20)
    Minergie-Reglement 2026.1, Ziff. 6.1: Sanierung ≤ 90 % der Grenzwerte Qh,li MoPEC 2025 nach SIA 380/1:2016; ≤ 70 % im Neubau.
  15. Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.1 (2026 · abgerufen am 2026-08-20)
    Im Minergie-Reglement 2026.1 geprüft: Minergie-P deckt Neubau und Sanierung in einem einzigen Verfahren ab; weder eine Modulzertifizierung noch ein eigenes Verfahren für geschützte Bauten sind vorgesehen.
  16. Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.1 (2026 · abgerufen am 2026-08-20)
    Kein Minergie-Dokument nennt einen absoluten Wert «≤ 30»: Das Reglement 2026.1 drückt die Sanierung in % des MoPEC 2025 aus (≤ 90 %), mit einer Untergrenze von 15 kWh/m²·an.
  17. Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards (2022 · abgerufen am 2026-08-20)
    Die PHI-Kriterien nennen keine Höchstfrist: Der EnerPHit-Retrofit-Plan erlaubt eine Vorzertifizierung und danach den Zertifikatsantrag nach der letzten Etappe.
  18. Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.1 (2026 · abgerufen am 2026-08-20)
    Geltende Ausgabe für die Luftdurchlässigkeitsmessung: ISO 9972:2015, ergänzt durch SIA 180:2014 für die Schweizer Anwendung.
  19. Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.1 (2026 · abgerufen am 2026-08-20)
    Minergie-Reglement 2026.1, Ziff. 8.1: fossile Energieträger für die Wärmeerzeugung nicht zugelassen, mit engen Ausnahmen (Spitzendeckung ≤ 10 % über 80 kW; Fernwärme ≤ 50 % fossil).
  20. GEnergie / canton de Genève — HPE — Rénovation variante CECB®, mesure M-13 (abgerufen am 2026-08-20)
    GEnergie-Ansatz, Massnahme M-13 «HPE Sanierung, Variante CECB®»: 390 CHF/m² bei Einfamilienhäusern, 210 CHF/m² bei Mehrfamilienhäusern, 150 CHF/m² übrige Nutzungen. Jährlich revidiert.
  21. République et canton de Genève — Subventions énergétiques 2026 : 80 millions de francs pour accélérer la rénovation du parc bâti genevois (2026-02-02 · abgerufen am 2026-08-20)
    Mitteilung des Kantons Genf vom 2. Februar 2026: 80 Millionen Franken Energieförderung für 2026, 10 Millionen mehr als 2025.

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