In Genf löst der IDC (Indice de Dépense de Chaleur — Wärmeverbrauchsindex) inzwischen gesetzliche Pflichten für Eigentümerinnen und Eigentümer aus — und eine Sanierung entscheidet sich zuerst bei den strategischen Weichenstellungen. Dieses Dossier steckt den Rahmen ab: IDC-Schwellenwerte, die Standards EnerPHit und Minergie-P Renovation, Projektvorgehen und Etappierung. Die Umsetzung — Gebäudehülle, Luftdichtheit, Haustechnik — wird im Praxis-Dossier.
Ein grosser Teil des Schweizer Gebäudeparks wurde vor den ersten nennenswerten Wärmeschutzanforderungen der 1980er-Jahre errichtet, ohne wesentliche Dämmung. Die Grössenordnung lässt sich an der Genfer Regelung ablesen: Ab 125 kWh/m²·an (450 MJ/m²·an) Wärmeverbrauchsindex wird ein energetischer AuditSchwellenwert nach Genfer REn (rsGE L 2 30.01, Art. 14): Ab 125 kWh/m²·an (450 MJ/m²·an) sind ein Energieaudit und Verbesserungsmassnahmen vorgeschrieben.République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14B vorgeschrieben — ein unsaniertes Gebäude aus dieser Zeit überschreitet diesen Wert häufig. Die Schweiz hat sich das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 gesetztVom BFE bestätigt: Ziel netto null CO₂-Emissionen bis 2050, mit einer Senkung des Gebäudeverbrauchs von rund 90 TWh auf 65 TWh.Office fédéral de l'énergie (OFEN/BFE) — Buildings — Energy efficiency: Das bedeutet, den grössten Teil dieses Bestands grundlegend zu sanieren — nicht nur die Heizkessel zu ersetzen.
Eine oberflächliche Sanierung (Fensterersatz, effizienterer Gaskessel) bringt nur eine geringfügige Verbesserung. Nur eine koordinierte Sanierung von Gebäudehülle und Haustechnik ermöglicht es, den Heizwärmeverbrauch um rund das 5-Fache zu senken — von den 125 kWh/m²·an der Genfer AuditschwelleFaktor aus zwei belegten Werten abgeleitet: Genfer Auditschwelle 125 kWh/m²·an (REn Art. 14) und EnerPHit-Ziel ≤ 25 kWh/(m²a) (PHI-Kriterien) — Verhältnis rund 5.Passivhaus Institut, Darmstadt — Criteria for the Passive House, EnerPHit and PHI Low Energy Building Standards auf die von EnerPHit angestrebten ≤ 25 kWh/m²·an — und dauerhaften thermischen Komfort zu erreichen.
In Genf deklarieren die Eigentümerinnen und Eigentümer beheizter Gebäude jährlich den IDC — Indice de Dépense de Chaleur (Wärmeverbrauchsindex) ihres Gebäudes beim OCEN: der tatsächliche Verbrauch für Heizung und Warmwasser, an den Zählern gemessen und auf die Energiebezugsfläche bezogen. Das ist keine theoretische Berechnung — es ist die reale Energierechnung des Gebäudes. Nicht zu verwechseln mit der individuellen Heizkostenabrechnung, die Gebäude ab 5 Wärmebezügern betrifft (REn Art. 14B)Zwei getrennte Regelungen im Genfer REn: Der IDC (Art. 14) betrifft Eigentümer beheizter Gebäude; die individuelle Heizkostenabrechnung (Art. 14B) gilt ab 5 Wärmebezügern.République et canton de Genève — Règlement d'application de la loi sur l'énergie (REn), rsGE L 2 30.01, art. 14 et 14B: Das ist eine eigenständige Regel ohne Bezug zum Geltungsbereich des IDC.
Dieser Indikator ist nicht mehr nur ein Überwachungsinstrument: Er löst gesetzliche Pflichten für die Eigentümerinnen und Eigentümer aus.
Zwei Hauptstandards definieren «Sanierung im Passivstandard» in der Westschweiz: EnerPHit (Passivhaus Institut, Darmstadt) und Minergie-P Renovation. Ihre Anforderungen unterscheiden sich in der Logik, doch ihr gemeinsames Ziel ist ein Leistungsniveau nahe am neuen Passivhaus — unter Berücksichtigung der Einschränkungen des Bestands.
Vorsicht beim Vergleich der Zahlenwerte: Die Energiebezugsfläche (SRE) wird bei Passivhaus (PHPP-Bezugsfläche, PHI Darmstadt) und bei Minergie® (SRE gemäss SIA 416) nicht auf dieselbe Weise berechnet. Die beiden Anforderungen sind zudem nicht gleicher Art — EnerPHit setzt einen absoluten Wert (≤ 25 kWh/m²·an), Minergie-P einen ProzentsatzKein Minergie-Dokument nennt einen absoluten Wert «≤ 30»: Das Reglement 2026.1 drückt die Sanierung in % des MoPEC 2025 aus (≤ 90 %), mit einer Untergrenze von 15 kWh/m²·an.Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.1 der MoPEC-2025-Grenzwerte —, sodass ein direkter Zahlenvergleich keinen Sinn ergäbe.
| Kriterium | Passivhaus Neubau | EnerPHit Renovation | Minergie-P Neubau | Minergie-P Renovation |
|---|---|---|---|---|
| Heizwärmebedarf | ≤ 15 kWh/m²·an | ≤ 25 kWh/m²·an | ≤ 70 % MoPEC 2025 | ≤ 90 % MoPEC 2025 |
| Luftdichtheit * | n₅₀ ≤ 0,6 h⁻¹ | n₅₀ ≤ 1,0 h⁻¹ | qE50 ≤ 0,8 m³/(h·m²) | qE50 ≤ 1,6 m³/(h·m²) |
| Heizleistung | ≤ 10 W/m² | — | ≤ 10 W/m² | — |
| Etappenweise Zertifizierung | — | ✓ Bauteile | — | — |
| Berechnungstool | PHPP | PHPP | SIA 380/1 | SIA 380/1 |
| Geschützte Bauten | — | ⚠ Einzelfallprüfung | — | — |
* Passivhaus/EnerPHit messen den n₅₀ (Luftwechsel bezogen auf das Volumen), Minergie® den qE50 (Leckagerate bezogen auf die Hüllfläche, EN ISO 9972:2015 + SIA 180:2014Geltende Ausgabe für die Luftdurchlässigkeitsmessung: ISO 9972:2015, ergänzt durch SIA 180:2014 für die Schweizer Anwendung.Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.1) — die beiden Grössen sind nicht direkt vergleichbar. Minergie®-Werte gemäss Reglement 2026.1 (fossile Brennstoffe verboten, absolutes Minimum von 15 kWh/m²·an)Minergie-Reglement 2026.1, Ziff. 8.1: fossile Energieträger für die Wärmeerzeugung nicht zugelassen, mit engen Ausnahmen (Spitzendeckung ≤ 10 % über 80 kW; Fernwärme ≤ 50 % fossil).Minergie Suisse — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, version 2026.1.
Eine Sanierung im Passivstandard lässt sich nicht nachträglich improvisieren: Die in der Planungsphase getroffenen Entscheidungen bestimmen 80 % des Ergebnisses. Hier die typische Abfolge eines gut geführten Projekts.
Was kostet eine Sanierung im Passivstandard?
Die Kosten variieren stark je nach Ausgangszustand des Gebäudes, seiner Geometrie, dem Vorhandensein konstruktiver Wärmebrücken und der Materialwahl: Es gibt keine öffentliche Kostendatenbank, die einen verlässlichen Quadratmeterpreis für eine Sanierung auf Passivniveau erlauben würde, und jede seriöse Kostenschätzung setzt eine Offerte am realen Gebäude voraus. Öffentlich und beziffert ist dagegen die Förderung. In Genf fördert die Massnahme M-13 «HPE Sanierung, Variante CECB®» 390 CHF/m²GEnergie-Ansatz, Massnahme M-13 «HPE Sanierung, Variante CECB®»: 390 CHF/m² bei Einfamilienhäusern, 210 CHF/m² bei Mehrfamilienhäusern, 150 CHF/m² übrige Nutzungen. Jährlich revidiert.GEnergie / canton de Genève — HPE — Rénovation variante CECB®, mesure M-13 beheizte Fläche bei Einfamilienhäusern und 210 CHF/m² bei Mehrfamilienhäusern; der Genfer Kantonskredit 2026 beläuft sich auf 80 Millionen FrankenMitteilung des Kantons Genf vom 2. Februar 2026: 80 Millionen Franken Energieförderung für 2026, 10 Millionen mehr als 2025.République et canton de Genève — Subventions énergétiques 2026 : 80 millions de francs pour accélérer la rénovation du parc bâti genevois. Da die Ansätze jährlich revidiert werden, sind sie vor jeder Eingabe zu prüfen. Der Return on Investment zeigt sich auch in Komfort, Immobilienwert und Sicherheit gegenüber schwankenden Energiepreisen.
Kann man stufenweise sanieren, ohne alles gleichzeitig zu machen?
Ja — das ist sogar der häufigste Fall. Entscheidend ist, das Projekt als Ganzes zu planen, bevor die erste Etappe beginnt, damit jede Massnahme mit den folgenden übereinstimmt. Die Regel: mit dem Dach beginnen (energetisch am rentabelsten), dann die Fassaden, dann die Fenster (unter Berücksichtigung der endgültigen Position in der gedämmten Wand), dann die Haustechnik. Die Fenster nie ersetzen, bevor das System der Fassadendämmung feststeht.
Was ist der Unterschied zwischen einer «Minergie»- und einer «EnerPHit»-Sanierung?
Beide Standards zielen auf ein ähnliches Leistungsniveau ab und erlauben einen Bauteilansatz. Minergie-P ist im Schweizer Kontext stärker verankert, mit einem gut etablierten kantonalen Verfahren und einer besseren Einbindung in Förderdossiers. EnerPHit ist der internationale Standard des Passivhaus Instituts: Er wird auch ausserhalb der Schweiz anerkannt, und seine PHPP-Methodik ist sehr präzise. In der Praxis wählt die Genfer oder Waadtländer Bauherrschaft oft Minergie-P Renovation wegen der einfacheren Administration, während EnerPHit bei technisch anspruchsvollen oder Vorzeigeprojekten bevorzugt wird.
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